Als sich der Flieger um kurz vor Mitternacht in Frankfurt in Bewegung setzte, gab es kein zurück mehr.
Der Flug gestaltete sich ungewöhnlich problemlos und so war man schneller als gedacht in Santo Domingo (leider mitten in der Nacht) und in Panama (leider in starkem Regen).
In Panama hatte ich dann 3 h Zeit, bis der Flug nach Quito weiterging. Und so schlappte ich mit meinem Handgepäck durch den Boardingbereich, bis ich das richtige Gate gefunden hatte (das sich in den nächsten 3 h allerdings 3 mal ändern sollte).
Allein das Handgepäck, bestehend aus Laptoptasche, Koffer und Umhängetasche wog um einiges mehr, als die zugelassenen 6 Kilo- was zum Glück niemanden interessierte.
Doch das Fliegen alleine hat so manche Tücken- spätestens wenn notgedrungen gewisse Orte aufsuchen muss, ist man gezwungen, einen Teil seines Handgepäcks im Wartebereich stehen zu lassen. In meinem Fall fiel die Entscheidung auf den Koffer, weil ich der Meinung war, dort wären nur ein paar Bücher und ne Hose drin (was sich im Nachhinein als falsch herausstellte, denn ich hatte unter der Hose ja die 250$ versteckt…).
Ich schob also den Koffer unter die Sitzbänke. Wenige Minuten später war ich wieder im Wartebereich zurück und es war passiert, was passieren musste- der Koffer war weg. Etwas verwirrt setzte ich mich an den Platz, unter den ich den Koffer geschoben hatte. Man sollte niemals denken „schlimmer kann es nicht kommen“, denn auf einmal sprach mich ein älterer Herr mit Vollbart an und wollte wissen, ob mir ein blauer Koffer gehöre. Ich wollte schon erleichtert fragen, wo er den Koffer denn hingestellt habe, da sagte er, dass der herrenlose Koffer von einem Spezialteam wegen einer Bombendrohung abgeholt worden war.
Bevor ich allerdings- nachdem einige Schrecksekunden verstrichen waren- in blinden Aktionismus verfallen konnte, fing der Herr so laut an zu lachen, dass sich das gesamte Terminal zu ihm umdrehte und er beförderte aus 5 Reihen hinter mir den Koffer wieder zutage.
So machte ich also Bekanntschaft mit einem Deutschen, der in Quito ebenfalls ein soziales Projekt für Kinder leitet.
Auch der Flughafen von Quito machte seinem Namen alle Ehre: Zum einen liegt er mitten in der Stadt zwischen tausende Meter hohen Bergen und gilt deswegen als einer der gefährlichsten Flughäfen der Welt. Zum anderen ist die Landebahn abschüssig, weswegen er unter den Piloten als einer der schwierigsten gilt.
Alle diese Gründe und der starke Wind, der die Maschine im Anflug bedrohlich ins Schwanken gerieten ließ, waren die Ursache dafür, dass der Pilot das Flugzeug (als wir nur noch zehn Meter Luft unter dem Fahrgestell hatten) in einem bedrohlichen Manöver wieder hochzog. Das Problem dabei war nur, dass die schroffen Felsen viel schneller näher kamen, als die Maschine wieder an Höhe gewinnen konnte. Doch der Pilot, der die Turbinen bis kurz vor die Explosion trieb, schaffte es dann irgendwie doch, das Felsmassiv knapp zu überwinden.
Die Gastfamilie ist sehr nett und das Haus sehr stilvoll eingerichtet (leider liegt es, obwohl abseits vom Zentrum, in der Einflugsschneise von besagtem Flughafen (wie auch der Rest der Stadt^^)). Bisher habe ich, abgesehen von der Taxifahrt vom Flughafen hier her, von der Stadt selber nicht viel gesehen. Aber ich hoffe, das ändert sich noch im Laufe des Tages.
Sehr interessant zu erwähnen ist außerdem, dass die Stadt auf einer Höhe von 2800 m liegt, man aber von der Höhe glücklicherweise überhaupt nichts spürt (also von wegen Höhenkrankheit und so…).
