Montag, 18. Juli 2011
Nationalpark Cotopaxi


Um 7 Uhr begann unsere Expedition in den Cotopaxi Nationalpark- wir trafen uns im Stadtteil „Mariscal“- dem Touristenviertel Quitos- um von dort mit einem Bus in die Nähe des Nationalparks gebracht zu werden. Auf der einstündigen Hinfahrt lernten wir uns Teilnehmer ein bisschen besser kennen. Ich war natürlich der Jüngste -aber nicht der Einzige aus Deutschland. Ein Ehepaar, das vor mehreren Wochen versucht hatte, den Cotopaxi zu besteigen (und gescheitert sind, was bei deren Selbstverständnis bezüglich des Bergsteigens auch kein Wunder ist), war auch dabei. Dann zwei Franzosen, die mit ihrer französischen Ölfirma ein Joint Venture mit der ecuadorianischen Ölindustrie betreiben (die Franzosen haben die ganze Zeit über ihren tollen Käse geschwärmt…). Dann hab es da noch den 70 jährigen Norweger mit einem unaussprechlichen (und mir daher auch nicht im Gedächtnis gebliebenem) Namen, der unbedingt auch noch mal die Höhenluft von 5000m schnuppern wollte. Außerdem noch ein Ehepaar aus New York und eine Schweizerin. Alle zusammen waren wir eine super witzige Gruppe.







Unser Guide

Die Fahrt ging los, aber es war nicht einfach, dem eisernen Griff Quitos zu entkommen- nach einer halben Stunde befanden wir uns immer noch auf den weitläufigen Serpentinen am Rande des Talkessels. Nach einer weiteren halben Stunde Fahrt erreichten wir unser Zwischenziel: Dort frühstückten wir und stiegen in einen Jeep um. Mit diesem ging es dann Richtung Nationalpark. Dort machte sich dann der Jeep auch das erste Mal bezahlt, als wir gezwungen waren, unseren Weg durch ein tiefes Flussbett fortzusetzen. Weiter ging unsere rasante Fahrt über die Buckelpiste durch die weite Landschaft des Parks.





Unser Jeep in weiter Natur



Nach einer Stunde Fahrt durch den Park, hatten wir den Parkplatz auf 4600m erreicht. Von dort hatten wir einen genialen, wenn auch wolkenverhangenen Blick auf den Cotopaxi, den zweithöchsten Berg Ecuadors. Hier am Parkplatz begann dann der etwas anstrengendere Teil der Tour- wir stiegen die 200 Höhenmeter bis zu der Berghütte auf, von der die Cotopaxi- Besteigungen um 1 Uhr morgens losgehen.








Unglaublich- aber selbst Busse fuhren bis auf den Parkplatz in 4600m Höhe (das ist der höchste Verkehrsstau der Welt =) )






Nein, das ist nicht der Übungsplatz für die nächste Mondmission…



Zum Glück ist mir die Höhe gut bekommen (was sonst auch das Ende meiner Bergtour- Planungen bedeutet hätte); doch außer Puste war man dann schon als man an der Hütte ankam. Diese lag auf 4800m- mein neuer Höhenrekord (aber hoffentlich nicht lang…).







Und dann kamen wir doch noch in einen Schneesturm…






Kurz darauf kam die Sonne raus und der Gipfel zeigte sich in seiner ganzen Schönheit…


































… von unserem Tisch in der Hütte aus






So zeigte er sich wirlklich…



Der Weg runter war eine einzige Gaudi: Die Schneefelder, die ich in 45 Minuten so mühsam hochgestiegen bin, konnte ich jetzt quasi herunterfahren. Das Gefälle war so steil, dass meine Bergschuhe im Schnee keinen Halt mehr fanden und ich den Abhang, wie mit zwei Bigfoot-Ski an den Füßen, in weniger als 5 Minuten in rasantem Tempo herunterrutschte. Leider war der Rest der Gruppe nicht so abenteuerlustig und sie zogen es vor, den Berg mühsam wieder herunterzusteigen- mit dem Resultat, dass ich am Parkplatz 20 Minuten auf die Gruppe warten musste. Dafür war ich einer der wenigen, der beobachten konnte, wie plötzlich der Himmel aufklarte und ein Teil des Gipfels aus den Wolken auftauchte.
Die Gaudi ging weiter: Auf dem Anhänger des Jeep hatten wir Mountainbikes mithochgezogen und jetzt ging es ans Downhill- fahren.
In rasantem Tempo ging es die Schotterpiste hinunter- in vollem Tempo einen Drift über die gesamte Fahrbahn hinzulegen war das höchste der Gefühle. Doch selbst das wurde noch getoppt, als es anfing zu regnen und dann zu schütten und man durch die Regenschwaden fegen konnte. Übrigens war man per Bike wesentlich schneller als die Jeeps und so war es ein leichtes, die Vehikel in voller Fahrt zu überholen.
So fuhren wir- natürlich mit einigen Pausen- in einer Stunde 1000 Höhenmeter herunter.
Unten angekommen aßen wir in einem einfachen aber super leckerem Restaurant vor offenem Kaminfeuer- bis einer der Reisenden unruhig wurde. Er hatte nämlich zwischendurch auf die Uhr geschaut und dabei festgestellt, dass sein Flugzeug in wenigen Stunden losfliegt, er aber noch im Gebirge des Parks festsaß ( solides Timing, ob der schon seine Koffer gepackt hatte??). So ging es dann auch relativ bald wieder nach Quito zurück.