Puerto Lopez
Im Zuge großer Umbauarbeiten wurde das Busterminal für die Reisebusse in den Süden verlegt- mit der Konsequenz, dass ich erst 40 Minuten Taxifahrt hinter mich bringen musste, bevor ich die Reise an die Küste, nach Puerto Lopez antreten konnte.
Um 10 Uhr ging die Fahrt dann endlich los- mit sehr wenigen Passagieren an Bord. Was als „Direktbus“ angegeben war, entpuppte sich schon ein paar Minuten später als normaler Linienbus, denn an jeder Straßenecke hielten wir, um Leute einzuladen. In einem ziemlich zähen Tempo schlichen wir also der Küstenstadt entgegen. Endlich erreichten wir eine größere und besser ausgebaute Straße und konnten das Tempo ein wenig steigern. Hier begannen wir den Abstieg aus den Anden: mit jedem Meter, den wir in einem wahnsinnigen Tempo herunterfuhren, wurde die Vegetation grüner und dichter. Irgendwann konnte man dann auch schon Bananenpflanzen sehen und man hatte das Gefühl im Dschungel zu sein. Dennoch hatte ich erst ein Drittel meiner Reise hinter mir, als wir in der Stadt „Santo Domingo“ ankamen. Dort war es auch merklich heißer und schwüler. Und wir drosselten unser Reisetempo wieder auf gefühlte 0 km/h. Als wären die permanenten Stopps nicht schon nervig genug, stiegen jetzt mit den Passagieren Hundertschaften von Straßenverkäufern ein, die uns Passagieren vom Gebäck über Getränken bis hin zu Sonnenbrillen und Unterwäsche alles andrehen wollten. Und hatte man erst mal den Typen, der einem eine Sonnenbrille verkaufen wollte, abgewimmelt, stieg 10 Minuten später der nächste Sonnenbrillenverkäufer ein. Sehr nett waren auch die Verkäufer, die sich wie Marktschreier vorne in den Bus stellten (genau dort wo ich saß) und 10 Minuten lang lauthals ihre Ware anpriesen. Außerdem brannte die Sonne auf den Bus herab und man konnte nicht viel trinken, denn beim Toilettengang musste man immer sein ganzen Gepäck mit aus dem Bus nehmen und danach war der Sitzplatz weg (und ich hatte eigentlich einen sehr guten mit viel Beinfreiheit...).
Und immer noch fuhren wir bergab- wir mussten inzwischen gefühlte 6000 Höhenmeter hinabgefahren sein. In vielen Dörfern schienen wir der einzige Bus am Tag zu sein.
Trotz des ganzen Chaos im Bus, waren die Sitze schon sehr bequem- es gab allerdings Andere, die reisten noch bequemer- und zwar auf einem Obsttransporter: Die zwei kreativen Menschen hatten am oberen Ende eines Leiterwagens (über den ganzen Bananen und Wassermelonen) 2 Hängematten quer über die Ladefläche gespannt und wurden wie in einem Kinderwagen in den Schlaf geschaukelt.
So kamen wir dann knappe 11 Stunden später, entspannt und ausgeruht (nicht...), in Puerto Lopez an. Wenigstens die Unterkunft war super, denn ich hatte eine ganze Holzhütte für mich.






Lebensgefährliche Duschen gibt’s es hier- da verzichtet man doch freiwillig aufs warme Wasser!




Am nächsten Morgen machte ich mich zum Krankenhaus auf und musste feststellen, dass meine Ankunft und mein Angebot dort zu helfen weder bekannt noch erwünscht war, denn das gesamte Personal war neu und musste sich selber einarbeiten.
So musste ich dann gezwungenermaßen meine Zeit am Strand verbringen.






Also machte ich erst mal einen ausführlichen Strandspaziergang und nach einem erfrischenden Bad ließ ich den Tag in einer Hängematte einer Strandbar ausklingen.
Aber auch hier in Puerto Lopez sind die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu sehen: Alle Bäche, die durch das Stadtgebiet fließen sind schon seit längerer Zeit ausgetrocknet- selbst in der Regenzeit führen sie kein Wasser mehr (was zu erheblichen Problemen mit der Wasserversorgung führt).






Den nächsten Tag verbrachte ich relativ unspektakulär am Strand, denn es ergab keinen Sinn mehr, mich für die paar Tage im Krankenhaus einzuarbeiten. Außerdem plante ich noch die nächsten Tag hier in Puerto Lopez.

Am Freitag ging es am frühen Nachmittag in Richtung „Los Frailes“, eines Traumstrandes. Wir fuhren mit einem Rikscha-ähnlichen Taxi, von denen es hier in Puerto Lopez sehr viele gibt. Die rasante Fahrt in dem offenen Gefährt (während der man allerdings doch von großen LKWs überholt wurde) war ein Abenteuer für sich.






Der Strand war wirklich traumhaft schön, sauber und menschenleer. Am Ende des Strandes erstiegen wir eine Aussichtsplattform (ca. 70 m hoch) von der wir einen wunderbaren Blick auf den Küstenstreifen und die endlos weite und blaue Fläche des Pazifik hatten.






(dieses Exemplar erschien nicht mehr ganz so lebendig…)



Und in der Ferne sah ich dann 2 dunkle Leiber und Flossen, die ein wenig aus den Wasser ragten und Wasserfontänen ausstießen, bevor sie wieder im Meer verschwanden- WALE!

Am Morgen des nächsten Tages machte ich einen kleinen Rundgang über den Fischmarkt direkt am Strand.














Dort gab es einiges zu sehen: Haie, kleine Hammerhaie und einen 3 Meter langen Schwertfisch!
Am Mittag wollten Marijn (ein Holländer, der ebenfalls in derselbenGastfamilie wohnte) und ich nach „Agua Blanca“, eine Ausgrabungsstätte im Naturschutzgebiet. Aus uns Zweien wurde allerdings in der Stadt kurzerhand eine fünfköpfige Gruppe. Wir fuhren dann wieder mit einem Rikscha-Taxi nach „Agua Blanca“ und besichtigten zunächst die dortigen Ausgrabungen und lernten einiges über die einheimische Kultur kennen.








Der Höhepunkt des Trips war allerdings das Baden in einem Kraterkessel mit schwefelhaltigem Wasser (nicht ohne uns zuerst einer tiefgründigen Porenreinigung zu unterziehen, indem wir uns mit stinkendem Schlamm einrieben-überhaupt stank es in der Nähe des Kraters ziemlich stark nach Schwefel...)











Heute, am 11.9. war die Tour zur „Isla de la Plata“ geplant. Dazu fuhren wir morgens per Schnellboot los. Nach 1,5 h kam dann die Insel in Sichtweite- aber plötzlich tauchten ebenfalls 2 Flossen aus dem Wasser aus-wir hatten eine Gruppe von Walen entdeckt. Fröhlich tauchtenn sie mit Kopf, Körper oder Fluke aus dem Wasser auf undbliesennriesigee Wasserfontänen. Leider bequemt sich keiner der Wale, in die Luft zu springen, aber dennoch war es ein einmaligen Erlebnis. Wir fuhren ca. eine halbe Stunde neben den Walen her und kamen bis auf 3 Meter an sie ran.






Dann waren wir irgendwann schon an der Insel angekommen. Jetzt in der Sommerzeit war es hier staubtrocken und die Insel war überzogen von verdorrtem Geäst- kaum vorzustellen, dass diese kahlen Gerippe in der Regenzeit zu neuem Leben erwachen würden.












Wir wanderten ca. 2h über die Insel und ich musste feststellen, dass sie den Galapagos Inseln doch ähnlich sah. Nur die blaufüßigen Tölpel konnte man hier aus viel kürzerer Distanz beobachten, denn sie brüteten teilweise auf dem Weg.













Zum Schluss ging es noch eine Runde schnorcheln- die Fischwelt hier war auch ähnlich wie auf Galapagos nur die ganz so vielfältig.

Am nächsten Tag ging die interessante Busreise von Neuem los- diesmal brauchten wir sogar 12 Stunden!