Donnerstag, 15. September 2011
Quito bei Nacht
So, das wird mein letzter Blog- Eintrag. Am Freitag geht’s dann um 6 Uhr Richtung Deutschland- das heißt um 3 Uhr aufstehen!

Zum Abschied noch ein paar Bilder von Quito bei Nacht…

























Mittwoch, 14. September 2011
Puerto Lopez
Im Zuge großer Umbauarbeiten wurde das Busterminal für die Reisebusse in den Süden verlegt- mit der Konsequenz, dass ich erst 40 Minuten Taxifahrt hinter mich bringen musste, bevor ich die Reise an die Küste, nach Puerto Lopez antreten konnte.
Um 10 Uhr ging die Fahrt dann endlich los- mit sehr wenigen Passagieren an Bord. Was als „Direktbus“ angegeben war, entpuppte sich schon ein paar Minuten später als normaler Linienbus, denn an jeder Straßenecke hielten wir, um Leute einzuladen. In einem ziemlich zähen Tempo schlichen wir also der Küstenstadt entgegen. Endlich erreichten wir eine größere und besser ausgebaute Straße und konnten das Tempo ein wenig steigern. Hier begannen wir den Abstieg aus den Anden: mit jedem Meter, den wir in einem wahnsinnigen Tempo herunterfuhren, wurde die Vegetation grüner und dichter. Irgendwann konnte man dann auch schon Bananenpflanzen sehen und man hatte das Gefühl im Dschungel zu sein. Dennoch hatte ich erst ein Drittel meiner Reise hinter mir, als wir in der Stadt „Santo Domingo“ ankamen. Dort war es auch merklich heißer und schwüler. Und wir drosselten unser Reisetempo wieder auf gefühlte 0 km/h. Als wären die permanenten Stopps nicht schon nervig genug, stiegen jetzt mit den Passagieren Hundertschaften von Straßenverkäufern ein, die uns Passagieren vom Gebäck über Getränken bis hin zu Sonnenbrillen und Unterwäsche alles andrehen wollten. Und hatte man erst mal den Typen, der einem eine Sonnenbrille verkaufen wollte, abgewimmelt, stieg 10 Minuten später der nächste Sonnenbrillenverkäufer ein. Sehr nett waren auch die Verkäufer, die sich wie Marktschreier vorne in den Bus stellten (genau dort wo ich saß) und 10 Minuten lang lauthals ihre Ware anpriesen. Außerdem brannte die Sonne auf den Bus herab und man konnte nicht viel trinken, denn beim Toilettengang musste man immer sein ganzen Gepäck mit aus dem Bus nehmen und danach war der Sitzplatz weg (und ich hatte eigentlich einen sehr guten mit viel Beinfreiheit...).
Und immer noch fuhren wir bergab- wir mussten inzwischen gefühlte 6000 Höhenmeter hinabgefahren sein. In vielen Dörfern schienen wir der einzige Bus am Tag zu sein.
Trotz des ganzen Chaos im Bus, waren die Sitze schon sehr bequem- es gab allerdings Andere, die reisten noch bequemer- und zwar auf einem Obsttransporter: Die zwei kreativen Menschen hatten am oberen Ende eines Leiterwagens (über den ganzen Bananen und Wassermelonen) 2 Hängematten quer über die Ladefläche gespannt und wurden wie in einem Kinderwagen in den Schlaf geschaukelt.
So kamen wir dann knappe 11 Stunden später, entspannt und ausgeruht (nicht...), in Puerto Lopez an. Wenigstens die Unterkunft war super, denn ich hatte eine ganze Holzhütte für mich.






Lebensgefährliche Duschen gibt’s es hier- da verzichtet man doch freiwillig aufs warme Wasser!




Am nächsten Morgen machte ich mich zum Krankenhaus auf und musste feststellen, dass meine Ankunft und mein Angebot dort zu helfen weder bekannt noch erwünscht war, denn das gesamte Personal war neu und musste sich selber einarbeiten.
So musste ich dann gezwungenermaßen meine Zeit am Strand verbringen.






Also machte ich erst mal einen ausführlichen Strandspaziergang und nach einem erfrischenden Bad ließ ich den Tag in einer Hängematte einer Strandbar ausklingen.
Aber auch hier in Puerto Lopez sind die Auswirkungen des Klimawandels deutlich zu sehen: Alle Bäche, die durch das Stadtgebiet fließen sind schon seit längerer Zeit ausgetrocknet- selbst in der Regenzeit führen sie kein Wasser mehr (was zu erheblichen Problemen mit der Wasserversorgung führt).






Den nächsten Tag verbrachte ich relativ unspektakulär am Strand, denn es ergab keinen Sinn mehr, mich für die paar Tage im Krankenhaus einzuarbeiten. Außerdem plante ich noch die nächsten Tag hier in Puerto Lopez.

Am Freitag ging es am frühen Nachmittag in Richtung „Los Frailes“, eines Traumstrandes. Wir fuhren mit einem Rikscha-ähnlichen Taxi, von denen es hier in Puerto Lopez sehr viele gibt. Die rasante Fahrt in dem offenen Gefährt (während der man allerdings doch von großen LKWs überholt wurde) war ein Abenteuer für sich.






Der Strand war wirklich traumhaft schön, sauber und menschenleer. Am Ende des Strandes erstiegen wir eine Aussichtsplattform (ca. 70 m hoch) von der wir einen wunderbaren Blick auf den Küstenstreifen und die endlos weite und blaue Fläche des Pazifik hatten.






(dieses Exemplar erschien nicht mehr ganz so lebendig…)



Und in der Ferne sah ich dann 2 dunkle Leiber und Flossen, die ein wenig aus den Wasser ragten und Wasserfontänen ausstießen, bevor sie wieder im Meer verschwanden- WALE!

Am Morgen des nächsten Tages machte ich einen kleinen Rundgang über den Fischmarkt direkt am Strand.














Dort gab es einiges zu sehen: Haie, kleine Hammerhaie und einen 3 Meter langen Schwertfisch!
Am Mittag wollten Marijn (ein Holländer, der ebenfalls in derselbenGastfamilie wohnte) und ich nach „Agua Blanca“, eine Ausgrabungsstätte im Naturschutzgebiet. Aus uns Zweien wurde allerdings in der Stadt kurzerhand eine fünfköpfige Gruppe. Wir fuhren dann wieder mit einem Rikscha-Taxi nach „Agua Blanca“ und besichtigten zunächst die dortigen Ausgrabungen und lernten einiges über die einheimische Kultur kennen.








Der Höhepunkt des Trips war allerdings das Baden in einem Kraterkessel mit schwefelhaltigem Wasser (nicht ohne uns zuerst einer tiefgründigen Porenreinigung zu unterziehen, indem wir uns mit stinkendem Schlamm einrieben-überhaupt stank es in der Nähe des Kraters ziemlich stark nach Schwefel...)











Heute, am 11.9. war die Tour zur „Isla de la Plata“ geplant. Dazu fuhren wir morgens per Schnellboot los. Nach 1,5 h kam dann die Insel in Sichtweite- aber plötzlich tauchten ebenfalls 2 Flossen aus dem Wasser aus-wir hatten eine Gruppe von Walen entdeckt. Fröhlich tauchtenn sie mit Kopf, Körper oder Fluke aus dem Wasser auf undbliesennriesigee Wasserfontänen. Leider bequemt sich keiner der Wale, in die Luft zu springen, aber dennoch war es ein einmaligen Erlebnis. Wir fuhren ca. eine halbe Stunde neben den Walen her und kamen bis auf 3 Meter an sie ran.






Dann waren wir irgendwann schon an der Insel angekommen. Jetzt in der Sommerzeit war es hier staubtrocken und die Insel war überzogen von verdorrtem Geäst- kaum vorzustellen, dass diese kahlen Gerippe in der Regenzeit zu neuem Leben erwachen würden.












Wir wanderten ca. 2h über die Insel und ich musste feststellen, dass sie den Galapagos Inseln doch ähnlich sah. Nur die blaufüßigen Tölpel konnte man hier aus viel kürzerer Distanz beobachten, denn sie brüteten teilweise auf dem Weg.













Zum Schluss ging es noch eine Runde schnorcheln- die Fischwelt hier war auch ähnlich wie auf Galapagos nur die ganz so vielfältig.

Am nächsten Tag ging die interessante Busreise von Neuem los- diesmal brauchten wir sogar 12 Stunden!



Montag, 5. September 2011
Otavalo (das 3. Mal)
Unser heutiger Tagesausflug führte uns in den Norden von Quito nach Otavalo zum Handwerksmarkt




Mittagspause in einem Restaurant mit typischem regionalen Essen und Musik.
Gegrilltes Meerschweinchen




Abstecher zum Nationalpark "Cotacachi Cayapas"




Am Mittelpunkt der Welt: DerÄquator bei Cayambe





Samstag, 27. August 2011
Cotopaxi- der Gipfel
Cotopaxi

Am Dienstagmorgen um 8 Uhr klingelte bei uns das Telefon- ein Mann von der Berghütte am Südhang des Cotopaxi war dran. Er teilte mir mit, dass er mich in 2 Stunden abholen würde, um mich zum Cotopaxi zu bringen. Das war 2 Tage früher als geplant und so packte ich in großer Hast alle notwendigen Dinge ein (im Nachhinein muss ich sagen, dass ich nichts vergessen hatte...). Mit dem Auto fuhren wir 2 Stunden bis in die Ebene vor dem Cotopaxi- dort warf mich der Bergführer quasi aus dem Auto (zum Glück nicht auch mein Gepäck) und so ging ich zu Fuß von 3100m zur Berghütte auf 4000m zu zwecks Akklimatisierung. Der Weg führte mich erst durch einen Wald von Eukalyptus-Bäumen und dann die Autopiste entlang und da das Auto des Bergführers das Einzige war, hatte ich dort meine Ruhe. Also von wegen mit dem Auto bis knapp unter den Gipfel fahren und die restlichen 200m zu Fuß- nix da!
Der Geruch des Berges war allerdings genau derselbe wie in den Alpen- schon erstaunlich.
Nach einer Stunde mündete der Weg in eine weite, wüstenähnliche Ebene- und dort bemerkte ich zum ersten Mal die tiefschwarzen Wolken, die bedrohlich näher kamen. Kurze Zeit später, ich befand mich immer noch am oberen Rand der Ebene und ließ den Blick über die weite Landschaft schweifen, hörte ich auf einmal dunklen Donner heranrollen, der laut in der Ebene widerhallte- was für ein erhebendes Gefühl und geniales Schauspiel. Weniger toll war allerdings die Regenfront, die heranrollte und mich die letzte Stunde meines Weges mit Starkregen begleitete. Völlig durchgenässt kam ich 2 Stunden und 15 Minuten später und 900 Höhenmeter weiter an der Berghütte an- wobei Berghütte untertrieben ist. Vielmehr war das ein Komplex von mehreren kleinen Häusern. Im Haupthaus wurde ich sofort herzlich mit einer heißen Suppe begrüßt- ich war übrigens der einzige Gast.








Daher hatte ich auch ein ganzes Gästehaus für mich alleine...







...und richtete mich gleich auf dem „Dachboden“ ein. Von meinem Bett aus konnte ich die gesamte, dem „Cotopaxi“ vorgelagerte Hügellandschaft und die dahinterliegenden Städte überblicken- einfach genial.










An diesem Abend konnte ich zum ersten Mal einen Blick auf den wolkenfreien Cotopaxi werfen.






So langsam kam die Dunkelheit herein und mit der Dunkelheit wurde es kalt, sehr kalt, aber auch gemütlich in der Berghütte. Denn wir (die 2 Bergführer und ich) versammelten uns vor dem Gas-Heizstrahler.
Nach einem reichlichen Abendessen ging es auch schon zu Bett. Da es in dem Gästehaus keine einzige Wärmequelle gab, musste ich mit Jacke, Mütze und 2 Lagen Decken (die 2. Decke klaute ich vom Nachbarbett- der Vorteil wenn man allein im Haus ist) schlafen, da ich andererseits wahrscheinlich erfroren wäre. Hier machte sich auch der warme Pullover aus Lamawolle aus Otavalo bezahlt.
Am Morgen wachte ich auf- seltsamerweise ohne abgefrorene Körperteile. Sich aus dem Bett zu schälen und sich in die eiskalte Umgebung zu stürzen erforderte schon einige Herausforderung- zumal so früh am Morgen. Entgegen aller Hoffnungen war es im Hauptgebäude, wo es Frühstück gab, auch nicht wärmer- und draußen waren statt der Sonne nur Nebelfetzen zu sehen.
Am Mittag galt es dann, die Ausrüstung zusammenzustellen. Wichtigste Bestandteile waren neben warmer Kleidung die Steigeisen, der Eispickel und die Stirnlampe.








Und endlich wurde auch wieder der Gasgrill angezündet- welch eine Wohltat diese Wärme...
Um 3 Uhr ging es dann los zum Campo Alto- dem Basislager und Ausgangspunkt für die Gipfelbesteigung. Dazu verluden wir unser Gepäck auf ein verdutzt dreinblickendes Pferd und begannen einsame Hügelrücken entlangzuwandern, auf denen weder Bäume noch Büsche noch Gras wuchsen- nur Flechten. Je näher wir dem Cotopaxi kamen, desto steiniger wurde der Untergrund- Vulkangestein.
Nach 2 Stunden 15 Minuten kamen wir am Campo Alto auf 4800m Höhe an. Das Zeltlager bestand aus einem ca. 10 m langen, hangarartigen Zelt, in dem man kaum stehen konnte.






Innen war es komplett dunkel und der Boden Bestand aus Sand.






Im Schein der Stirnlampen richteten wir uns ein, sprich wir rollten unsere Schlafsäcke auf zwei Türen aus und packten unsere Rucksäcke um- nur das wichtigste sollte mit auf den Cotopaxi. Endlich gab es Abendessen- im Schein einer Kerze deren Licht beim Ausatmen immer wieder durch Nebelschwaden unterbrochen wurde, denn im Großraumzelt war es kaum wärmer als draußen.






Hier machten sich die Kletterhandschuhe bezahlt, die an den Fingerspitzen offen sind und daher wärmen und gleichzeitig das feinfühlige führen des Kugelschreibers (um dieses Tagebuch zu schreiben) oder das Essen mit Messer und Gabel ermöglichen. Gegen 18:30 ging ich noch mal raus und putzte die Zähne vor der Kulisse des wolkenfreien Cotopaxi- einfach genial.
Um ca. 19 Uhr ging ich auch schon schlafen- mit 2 Paar Hosen, Mütze, Jacke und Handschuhen, in 2 Fleece- Decken gehüllt und das ganze in einen Schlafsack gequetscht- es dauerte eine geschlagene Viertelstunde bis alle Decken und Jacken in richtiger Position waren.
Doch die Nacht wurde sehr unruhig- erst ging ein pfeifender Wind und rüttelte am Zeltgestänge und dann wurde es so kalt, dass ich trotz meiner Spezial-Bekleidung fror-außerdem schmerzte die dämliche Holztür irgendwann im Rücken... All diese Faktoren trugen dazu bei, dass in der ohnehin kurzen Nacht kein Auge zugetan habe ( wie gut, dass ich die Nacht vorher 12 Stunden geschlafen habe + 1h Stunde Mittagsschlaf aus Langeweile). Denn um 0 Uhr wurde ich von meinem Bergführer aus dem Bett geschmissen, was erstaunlich leicht fiel, da ich ja nicht schlaftrunken war.
An Bergzeug brauchte ich nur den Hüftgurt anzuziehen, denn die restliche Bekleidung trug ich ja schon die ganze Nacht am Körper. Nach einem kurzen und kalten Frühstück ging es um 1 Uhr raus ind ie noch kältere Umgebung des Campo Alto- wir schalteten die Stirnlampen ein und los ging es. Zunächst führte uns der Weg recht langweilig über eine Seitenmoräne des ehemaligen Cotopaxi-Gletschers. Zum Glück war das lose Geröll festgefroren, was unser Fortkommen wesentlich erleichterte und uns einige Kräfte sparte. Nach 45 Minuten erreichten wir die Gletscherkante und legten die Steigeisen an. Von dort ging es den steilen Gletscher (einiges über 45 ° Steigung) hoch- Schritt für Schritt doch in einem noch recht zügigen Tempo.










Alles, was wir sehen konnten, waren die 5 m Eis um uns herum, die vom Schein der Stirnlampe erleuchtet wurden. So konnte man die Entfernung zu Gipfel überhaupt nicht abschätzen- was uns einige Enttäuschung und Demotivation vorenthielt.
Alle 30 Minuten machten wir 2 Minuten Pause, um die Muskeln wider mit Sauerstoff aufzufüllen, danach ging es weiter. Diesen Zyklus hielt ich bis ca. 4 Uhr durch (und ich muss sagen, dieses eintönige Bergansteigen macht entgegen aller Erwartungen Spaß)- doch allmählich ging mir die Kraft und damit auch die Lust aus- zumal wir uns schon in ca. 5400m Höhe befanden. So langsam wurden unsere Schritte (auch die des Bergführers-das muss ich zu meiner Verteidigung sagen) langsamer. Schritt- Atemzug- kurzes Innehalten (um zu überlegen wohin man am besten den nächsten Schritt macht ohne abzurutschen, was enorm Kraft kostet)- nächster Schritt. Zum Glück hatte ich genug Schokolade dabei- das Wasser allerdings konnte man nur Schluck für Schluck trinken, weil sich langsam Eiskristalle im Wasser bildeten. Diese Kombination aus Eiswasser und Schokolade gab zwar Kraft, schlug aber gleichzeitig so dermaßen auf den Magen, dass mir ziemlich schlecht davon wurde. Und irgendwann war ich dann an einem Punkt angelangt, an dem ich nicht mehr weiterkonnte. Zwangsweise legten wir jetzt unsere nächste längere Pause ein (10 Minuten ;-) ). Auf dem Gletscher sitzend konnte man jetzt erstmals die Lichter Quitos sehen. Doch bei aller Euphorie für die Landschaft musste man doch sehr vorsichtig mit seiner Ausrüstung umgehen, denn eine falsche Handbewegung und das Zeug rutscht die gesamte Eisfläche herunter bis ins Tal. Dasselbe kann durchaus auch mit Menschen passieren-trotz Pickel und Steigeisen- weshalb wir in einer Mini-Seilschaft den Gletscherkante bestiegen.
Die Pause wirkte Wunder, hinzu kam die Aussicht, dass es bis zum Gipfel nur noch 1,5 Stunden waren (den gesamten Abstieg mal außer Acht gelassen). Das gab neue Kraft und so quälte ich mich die letzten 300 Höhenmeter hinter dem Bergführer her. Nach gefühlten Jahrzehnten erreichten wir um 5 Uhr 45 den Vulkankrater- direkt neben einem heißen Schlot aus dem es bedrohlich herausdampfte. Vom Kraterrand aus hatten wir eine herrliche Aussicht auf Nord- und Südgipfel und einen weiteren, inneren Krater, der von Schneemassen gebildet wurde.






Am Horizont begann es schon zu dämmern und deshalb beeilten wir uns, die letzten 10 Minuten zum Gipfel hinaufzusteigen, um von dort den Sonnenaufgang beobachten zu können.
















Um 6 Uhr 15 erreichten wir den Gipfel- das war der ersehnte Gipfelsieg!!! Der Sonnenaufgang war bombastisch, tauchte er die umliegenden Gipfel und den Kraterrand in goldenes Licht.
















(Man achte hier auf den interessanten Schatten, den der Berg wirft...)



Die Aussicht war überwältigend- überall schneebedeckte Vulkane, wie z.B. der Chimborazo. Trotz der aufgehenden Sonne war es doch enorm kalt und so beschlossen wir, sofort-ohne Pause- den Rückweg anzutreten. Das brachte meine Kondition dann endgültig aus dem Gleichgewicht. Mehr taumelnd, rutschend und fallend stieg ich Meter für Meter ab- bis ich ein Machtwort sprach und auf Spanisch sagte: „Jetzt ist Schluss- wir machen jetzt eine Pause“- mehr als „basta-pausa-aquí“ zu sagen und mich in den Schnee fallen zu lassen, brachte ich aber nicht mehr fertig. Und so machten wir dann 20 Minuten lang mitten im Steilhang Pause.















Danach ging es mir dann wieder besser und die 1000 Höhenmeter konnten über das Eisfeld abgestiegen werden.
Völlig entkräftet kam ich dann auf Campo Alto an.














Doch dort die nächste Hiobsbotschaft: Das Pferd, das unser Gepäck wieder ins Tal tragen sollte, war anderweitig im Einsatz. Und so entwickelten sich die letzten 2 Stunden der Tour zum echten Hatscher: Wir mussten nämlich jetzt noch von 4800m auf 4000 m zur Hütte absteigen- in sengender Hitze und mit dem gesamten Gepäck auf dem Rücken marschierten wir durch die sandige Einöde.









Endlich an der Hütte angekommen war man dann doch angenehm müde...
Insgesamt haben wir an dem letzten Tag eine Höhendifferenz von insgesamt 3000m bewältigt und dass in einem Gewaltmarsch von insgesamt 12 Stunden (mit nur einer Stunde Pause)



Montag, 22. August 2011
Mit dem Zug die Route der Vulkane entlang









Im Morgengrauen machte ich mich zur Bahnstation „Chimbacalle“ auf, die auf Höhe des Hügels „Panecillo“ gelegen ist- also ungefähr in der Stadtmitte.
Allerdings darf man sich die Station dort nicht als großes Terminal vorstellen, denn in Quito existiert kein ausgebautes Schienenetz- es gibt nur einen Schienenstrang, der aus Quito herausführt. Der Zug wird hier auch nur touristisch genutzt- nicht als Transportmittel für die Massen. Es ist in Anbetracht der Tatsache, dass man sich 2800m hoch in den Anden befindet, auch technisch nicht möglich, ein riesiges Schienennetz aufzubauen…
Wir bestiegen also den Zug, der aus den unterschiedlichsten Waggons zusammengewürfelt war. Da gab es alte Waggons aus Holz und einen modernen Wagen, in dem sich laut Platzkarte mein Sitz befand.



Bald ging auch schon die Fahrt Richtung Süden los. Unser Weg führte uns mit dem riesigen Zug durch kleine, enge Gassen und über Hauptverkehrsstraßen. Das ist der Grund, weshalb unser Zug von drei Security- Leuten auf Motorrädern begleitet wurde, die dem Zug einige Meter vorrausfuhren und die Kreuzungen abriegelten. Mit ihren schwarzen Sturmmasken und der schweren Bewaffnung erschien einem die Szenerie allerdings wie aus einem Actionfilm…
Je weiter wir gen Süden fuhren, desto ärmer und verschmutzter wurde die Gegend.










Irgendwann waren wir mitten im Industrieviertel Quitos. Nach noch längerer Fahrzeit nahm allmählich die Bebauung ab und man konnte auch mal einen Blick auf einen kleinen grünen Flecken werfen. Doch selbst auf noch so kleinen Fleckchen Erde wird hier Landwirtschaft betrieben: Auf einer paar Quadratmeter großen Wiese weideten gleich 3 Kühe und wurden nebenbei auch noch Kartoffeln angepflanzt.
Nach einer Stunde sah man nur noch Felder und vereinzelt Bauernhöfe. Aber mit dem Verschwinden der Zivilisation wurde auch der Zustand der Schienen schlechter- mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 30 km/h quälte sich der Zug durchs Gleisbett und kam mehrere Male so stark ins Schaukeln, dass die Waggons kurz vorm Entgleisen standen. Unsere erste Station war der Bahnhof in der Region Machachi.






Dort gab es einheimisches Essen und einen genialen Panoramablick auf die verschiedensten Vulkane- wie den Hausberg Quitos „Pichincha“ oder den weißen Kegel des „Cotopaxi“.







Nach einer weiteren Stunde Fahrt, während der wir enorme Höhenunterschiede zu überweinden hatten, kamen wir an der Endstation, in Boliche an.
Der Bahnhof hier schien aus einem Western zu stammen.













Nach einer längeren Pause ging es schon wieder auf den Rückweg.



Alltag
Gestern Abend gab es ein holländisches Essen- gekocht von einer Mitbewohnerin:










An alle Daheimgebliebenen: Das Wetter hier ist in großen Teilen auch nicht besser als in Deutschland!




Sonntag, 21. August 2011
Fotokurs
Eindrücke aus dem Fotokurs- Fotographieren bei Nacht:













Dienstag, 9. August 2011
Die Thermen von Papallacta
Zusammen mit einer Familie aus der Schweiz fuhr ich heute Richtung Papallacta- zu den berühmten Thermen. Die Reise dauerte knappe 1,5 Stunden und so erreichten wir schon gegen 10 Uhr besagten Ort.
Zunächst unternahmen wir eine kleine Wanderung an einem kleinen aber reißenden Bergfluss entlang. Obwohl es dort nicht wärmer als ca. 15 Grad war, gedieh am Rand des Flusses und im ganzen Tal eine tropische Vegetation: Wir mussten uns den Weg durch herabhängende Schlingpflanzen bahnen und konnten massenweise Bromelien sehen.

















Nach dieser Wanderung erreichten wir dann auch die Thermen. Diese sind wunderschön gelegen, denn man kann, im Wasser badend, die umliegenden, schneebedeckten Vulkane sehen.
Und wird einem in den heißen Wasserbecken zu warm, springt man (nachdem man sich dazu überwunden hat) in den ca. 10 Grad kalten Gebirgsbach- das ist die wahre Erfrischung!

Zum Abschluss des Tages kehrten wir in einem kleinen Restaurant am Wegesrand ein, wo uns eine genial knusprige Forelle serviert wurde.

So, jetzt muss ich auch schon mit dem Schreiben aufhören, gleich beginnt nämlich mein Photokurs- bin schon sehr gespannt…



Sonntag, 7. August 2011
Mit der Seilbahn zum Vulkan Pichincha
Heute ging es mit der Seilbahn von Quito aus auf 4000 m Höhe, auf ein Hochplateau mit Blick auf den Vulkan Pichincha (den ich übrigens auch von meinem Zimmer aus sehen kann).
Von dem Hochplateau aus hatte man einen genialen Blick auf den Cotopaxi…






…die Stadt Quito…




(links im Bild die Grünfläche ist der Flughafen- mitten in der Stadt…)










…und natürlich auf den Vulkan Pichincha.









Dieses Hochplateau ist ein wirklich genialer Platz zum Wandern, denn man weiß nie in welcher Richtung man das Andenpanorama genießen soll.



Samstag, 6. August 2011
Krankenhaus- Clownauftritt
Heute kam ein leichter Arbeitstag auf mich zu: Heute sollte nämlich eine Gruppe mit dem Namen “Dibuja una sonrisa“ die Kinder beschäftigen und ihnen (wie es der Name dieser Gruppe sagt) ein Lächeln hervorzaubern.
Das war ein sehr unterhaltsamer Vormittag mit vielen Zauberkunststücken und Clowns. Ach, und Captain Jack Sparrow trat auch auf- und der Typ sah wirklich exakt genau so aus wie der echte Captain; ich war drauf und dran, mir ein Autogramm geben zu lassen...

Der Höhepunkt der Veranstaltung war allerdings der Schluss. Denn da wurde allen Kindern, denen aufgrund der Chemotherapie die Haare ausgefallen waren, künstliche Haare (quasi Perücken) geschenkt. Die Kinder sahen sofort nicht mehr krank aus...

Das habe ich dann gleich zum Anlass genommen, „meine“ Kinder mal zu fotografieren.













Donnerstag, 4. August 2011
Mitad del Mundo
Heute ging es nach der Arbeit im Krankenhaus mit dem Bus 1,5 Stunden zu einem Dorf mit dem Namen „Mitad del Mundo“, sprich Mitte der Erde.
Im dortigen Museum Intinan wandelte man auf den Spuren der einheimischen Bevölkerung, die hier lebt. Da gab es die indigene Kunst zu bestaunen, deren Alltag und Lebensweise kennenzulernen und nicht zuletzt den Äquator zu begehen.










Im Gegensatz zu vielen anderen Äquatordenkmälern in Ecuador, konnte man hier den Echten bestaunen, was uns Besuchern durch viele Experimente bewiesen wurde. Am deutlichsten fiel das Badewannen-Experiment aus: Hierzu wurde eine Wanne mit Wasser auf dem Äquator aufgestellt; ließ man das Wasser ab, floss es ohne Strudelbildung nach unten. Stellte man die Wanne wenige Meter neben den Äquator, bildeten sich Strudel- auf der Nordhalbkugel drehten sie sich anders herum, als auf der Südhalbkugel.

Dazu ein Kommentar aus „Zeit online“: „Wenn die Geschichte wahr ist und nicht selber eine Legende, dann ist der Mann ein geschickter Taschenspieler, der dem Wasser durch heimliche, unmerkliche Rotationsbewegungen die jeweils richtige Drehrichtung verpasste. Um die Corioliskraft wirksam werden zu lassen und andere Störkräfte dabei auszuschalten, hätte er (nach den Berechnungen eines Lesers einer amerikanischen Wissenschaftszeitschrift) die Schüssel auf eine Millionstel Bogensekunde genau (das sind 0,0000000003 Grad) waagerecht halten müssen.“

Tja, aber alle haben das dort geglaubt…

Ein weiteres Experiment bestand darin, ein rohes Ei hochkant auf einen Nagel aufzustellen (direkt auf der Äquatorlinie)- unglaublicherweise funktionierte dieses Geschicklichkeitsspiel; ohne große Probleme balancierte das Ei minutenlang auf dem Nagel ohne umzukippen.
Allerdings bin ich mir nicht mehr sicher, ob da auch irgendein Touristentrick dahintersteckt…